Wieland Hofmeister und Huda Lutz

Die eroFame bleibt auch 2018 in Hannover

Zu diesem Entschluss kamen die Veranstalter der internationalen b2b-Erotikfachmesse eroFame, nachdem die aktuelle Ausstellerbefragung zum Thema Standortbestimmung ausgewertet worden ist. So hat sich die Mehrheit der Befragten – darunter nahezu sämtliche der global führenden Unternehmen der Erotik-Industrie – zu Hannover als Austragungsort der eroFame bekannt.

Im Zuge der Optimierungsgedanken für die eroFame traf sich der Beirat zu vertraulichen Sondierungsgesprächen im letzten Sommer mit den Veranstaltern der Venus Messe Berlin, um über die Möglichkeiten einer eventuellen zeitgleichen Austragung beider Messen auf dem Berliner Messegelände auszuloten, zudem hat man über eine Alternative des Standortes in Hamburg nachgedacht.

Bevor ein endgültiger Beschluss hierzu gefasst werden konnte, hat der Beirat der eroFame entschieden, sämtliche aktuellen Aussteller und weitere Stammkunden der eroFame in einer groß angelegten Aktion zu diesem Punkt zu befragen. Via online und durch persönliche Ansprachen während der eroFame-Messetage konnte abgestimmt werden. 108 Unternehmen haben für den Verbleib in Hannover, 39 Unternehmen für die Alternative Berlin, sowie 21 Unternehmen für Hamburg gevotet. Spontane Befragungen mit Fachhandlesbesuchern der eroFame haben ähnliche Aussagen einfangen können.

Zu diesem Thema nimmt Wieland Hofmeister, Veranstalter der eroFame im anschließenden Interview ebenfalls ausgiebig Stellung.


Herr Hofmeister, vorab herzlichen Glückwunsch zur guten und erfolgreichen eroFame 2017. Bevor wir Sie zum Rückblick der diesjährigen Messe ansprechen möchten, zuerst die aktuell viel diskutierte Frage zur seit Jahren geführten Diskussion um Hannover als Standort der eroFame. Der Messebeirat hat beschlossen, die Initiative zu ergreifen und alle Aussteller um ihre Meinung gebeten. Zu welchen Ergebnissen hat diese Umfrage geführt?

Wieland Hofmeister: … dass die eroFame vorerst weiter in Hannover ausgerichtet werden wird – ganz sicher im nächsten Jahr. Auch wird die eroFame in absehbarer Zeit mit keiner anderen Messe kooperieren, beziehungsweise sich auch nicht mit einer anderen Messe zusammentun. Die eroFame hat sich als professionelle b2b-Erotikmesse etabliert und ein besonderes Image aufgebaut, das aus heutiger Sicht nur für sich allein stehen kann.

Die eroFame finanziert sich über die Mieteinnahmen der Standgebühren; also bezahlen die Aussteller dieser Veranstaltung letztendlich die nicht unwesentliche Zeche – Zusatzeinnahmen wie zum Beispiel Kartenverkäufe an Besucher gibt es nicht und fallen somit in einer Kalkulation aus. Weiterhin möchten und werden wir die Benefits zur eroFame, die die Besucher und Aussteller kennen und schätzen gelernt haben, nicht aus finanziellen Beweggründen beschneiden. Deswegen werden alle Teilnehmer unserer Messe auch zukünftig kostenlos zum Essen, Trinken und Feiern eingeladen.

Ein vergleichbares Preis-/ Leistungsverhältnis für Messen in dieser auffallend hohen Qualität ist europaweit in Metropolen schwer – und ich persönlich behaupte – bis überhaupt nicht zu finden. Die aktuelle Location der eroFame ist absolut top und unterstreicht somit auch den Anspruch der Veranstalter, den Teilnehmern einen erstklassigen Rahmen in einer passenden Optik zu bieten.

Im Zuge der Sondierungsgespräche mit der Venus Messe, gegebenenfalls beide Messen zukünftig zeitgleich in Berlin auf dem dort dazugehörigen Messegelände stattfinden zu lassen, haben wir auch die in Frage kommenden Ausstellungsflächen besichtigt. Das Ergebnis war – gelinde und buchstäblich ausgedrückt – unterirdisch. Wir hätten uns für mehrere, kleinere Hallen, viele davon ohne Tageslicht und in einem denkwürdigen optischen Zustand, entscheiden müssen.
Allein dieser Aspekt hätte ausgereicht, sich gegen das Messegelände Berlin zu entscheiden – wir sehen es als unsere Pflicht an, keinen Schritt zurück mit der eroFame zu gehen, auch nicht bei der Auswahl einer Location.

Die eroFame unterstreicht und unterstützt den Trend hin zum Erotic-Lifestyle, der unbestritten wirtschaftlich hochinteressant ist. Auch deswegen wollen wir uns nicht in die Nähe einer pornoaffinen Veranstaltung begeben, wie zum Beispiel der Venus-b2c-Messe in Berlin, obgleich diese für sich erfolgreich ist. Messen dieser Ausrichtung wollen aktuell und zukünftig vorrangig eine andere, hauptsächlich männliche Zielgruppe bedienen als die Fachhändler, die mit den Produkten auf der eroFame ihr Angebot bestücken. Das alles wissen und untermauern unsere Aussteller und haben sich deswegen mit einer deutlichen Mehrheit weiterhin für den eroFame-Standort Hannover ausgesprochen.

Im Übrigen gibt es nicht wenige Aussagen von maßgeblichen Fachhändlern, die den Standort Hannover wegen der geografischen Lage befürworten; die befindet sich fast im Mittelpunkt Deutschlands und kommt somit dem nationalen Fachhandel sehr entgegen, darüber hinaus kann die eroFame besonders bevorzugt von den nordeuropäischen Nachbarländern via PKW schnell angefahren werden.

Und ich betone nochmals: Hannover stellt das weltweit größte Messegelände zur Verfügung, das internationale Veranstalter immer wieder buchen – das sagt doch viel aus und spricht allein deswegen für die Hannover Messe…was nicht heißen soll, dass wir die eroFame in Hannover in Stein meißeln werden, im Interesse aller Beteiligten halten wir weiterhin sämtliche Optionen offen – auch in Richtung Berlin. Nicht wir bestimmen, wo und wie die eroFame stattfindet, sondern unsere Aussteller und Besucher.

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Wie erleichtert waren Sie, als sich ein erheblich höheres Besucheraufkommen als gegenüber den Vorjahren abzeichnete?
Jeder Branchenkenner, der unseren Markt professionell beobachtet, weiß um den Rückgang der stationären Geschäfte, was natürlich zur Folge hat, dass die Fachhändler-Gemeinde peu á peu schrumpfen wird. Auch hatten wir Bedenken, dass das zeitgleiche – übrigens wegen vorgeschriebener, unausweichlicher Termine und nicht, wie teilweise wohl angenommen, politischer Raffinesse – Austragen der Venus-Messe in Berlin die Besucherzahlen der eroFame hätte beeinträchtigen können.

Das ist nun nicht eingetreten und – in der Tat – sind wir immer noch bester Stimmung, wenn wir an das Besucheraufkommen in diesem Jahr zurückdenken. Gern möchte ich in Ihrer Frage die Bezeichnung „erheblich höher“ relativieren: Wir sind im Interesse unserer Aussteller sehr zufrieden, weiterhin Besucher-Rekordergebnisse zu vermelden, heißt das doch, dass wir jährlich einen immer noch leichten Anstieg hierbei vermelden können.

Uns erstaunt und – ich bitte um Verständnis, wenn ich jetzt emotional werde – verärgert es sehr, wenn Behauptungen, auch während des Messeverlaufs in Umlauf gesetzt werden, die unberechtigter Weise vermelden, dass weniger Besucher als zum Beispiel im Vorjahr die eroFame besuchen beziehungsweise besucht haben. Natürlich verläuft sich das Aufkommen auf circa 15.000 Quadratmetern entsprechend, wir sind keine Konsumerveranstaltung, bei der ´zig Tausende die Gänge verstopfen, aber wir können mit reinem Gewissen behaupten, dass die eroFame eine gutbesuchte b2b-Messe ist, wahrscheinlich die bestgesuchteste ihrer Art – weltweit.

Können Sie uns ein paar ’nackte Zahlen‘ präsentieren? Wie viele Aussteller? Wie viele Besucher?
Wir liegen mit über 2.800 Besuchern immer noch im Rekordergebnis – was sich übrigens auch laut Angaben der Firma eis.de messen lässt: Diese Ausstellerfirma überreichte am Halleneingang ausgesuchten Fachbesuchern in der Summe circa 3.300 mal ein wertvolles Werbegeschenk, das in jeder verteilten „Satisfyer-Tüte“ lag. Inklusive der Standbesetzungen der circa 190 Brands auf der Messe tummelten sich nahezu 4.800 Menschen über den gesamten Messeverlauf in der Halle 27.

Angesicht der Besucherzahlen und der vielen positiven Kommentare seitens der Aussteller war die eroFame 2017 ein Erfolg. Fällt Ihr Ergebnis genauso aus?
In jedem Fall. Ich möchte auch im Namen des Beirats und meiner Kollegen ein herzliches Dankeschön an alle Beteiligten und Mitgestalter der eroFame aussprechen, die es ermöglichen, diese Messe zu dem zu machen, was sie letztendlich darstellt. Das gilt natürlich für die Aussteller UND für die Besucher, die der Veranstaltung neben den wirtschaftlichen Interessen auch den ganz eigenen, positiven Groove verpassen. Diese Branche ist einzigartig; ich persönlich – und ich denke ich kann an dieser Stelle für viele mitreden – fühle mich wirklich sehr wohl in dieser speziellen Gemeinde!

eroFame 2017

Zu diesem Erfolg haben wie immer auch die hohe Qualität der ausstellenden Unternehmen, die hohe Qualität der Fachbesucher sowie die Internationalität der eroFame beigetragen. Diese drei genannten Faktoren bleiben stabil – das Fundament der eroFame ist also unerschütterlich und krisensicher?
So hoffen wir, sind uns aber sehr bewusst, dass zukünftige Marktentwicklungen auch die Ausrichtung einer Fachmesse beeinflussen werden. Das gilt auch für die eroFame. Wir wären falsch beraten, uns auf den Lorbeeren auszuruhen zu wollen, im Gegenteil: Zukünftig werden wir die Stimmen aus unserer Branche noch deutlicher aufnehmen. Deswegen werden wir eine zusätzliche „eroFame-Task Force“ zum Beirat installieren, in der erfahrene und maßgebliche Branchenzugehörige die Entwicklung der eroFame mitgestalten sollen.

Die eroFame ist auch immer Spiegelbild der Marktentwicklungen. Welche Trends haben Sie dieses Jahr ausgemacht?
Nachweislich waren Fachhändler, die auf die Zielgruppe „Frauen und Paare“ fokussiert sind, von den präsentierten Produkten in diesem Segment sehr angetan. Für sie sind diese Verbrauchergruppen zukünftig als die umsatzstärksten Käufer ausgemacht. Der Trend im erfolgreichen Erotik-Business geht immer weiter weg vom so genannten Porno-Angebot und führt massiv in die Lifestyle-Richtung. Dieser Entwicklung wird das Konzept der eroFame besonders gerecht und bietet den entsprechenden Rahmen dafür, wie eingangs schon erwähnt.

Was waren Ihre Highlights dieses Jahr?
Die vielen zufriedenen Gesichter von Ausstellern und Besuchern. Und die Freundlichkeit, mit der meistens untereinander und miteinander umgegangen wird. Und wissen Sie, was mich auch gefreut hat: Unsere Ansprechpartner, mit denen wir bei der Hannover-Messe zusammenarbeiten, haben betont, dass deren Lieblingsmesse jedes Jahr wieder die eroFame ist! Angeblich verhalten wir uns alle auffallend nett und sehr anständig…! ;-)

eroFame 2017

Negativ sind sicherlich die Trittbrettfahrer (viele davon aus Asien), die ihre Produkte auf der Messe anpreisen, ohne einen Stand zu mieten, und die so genannten Beutelratten, also Besucher, die nur darauf aus sind, so viele Gratisprodukte wie nur möglich zu ergattern, zu bewerten. Gibt es eine Idee, dies zu unterbinden?
Ja, ja…, äußerst unangenehm das alles. Aktuell waren wir hierbei wohl noch etwas überfordert, um wirkungsvolle Gegenmaßnahmen umgesetzt zu haben, trotz Taschenkontrollen und deutlichen, persönlichen Aufforderungen und Ermahnungen an die Pappenheimer – auch weil manche Verhaltensweisen gewisser Menschen einfach nicht in unser Weltbild passen und wir deswegen in manchen Situationen schlichtweg unvorbereitet sind und waren.

Es kommt tatsächlich vor, dass Anbieter, übrigens nicht nur asiatischer Herkunft, die Standmieten umgehen und die Plattform der eroFame nutzen, um Ware illegal feilzubieten. Das ist gegenüber der zahlenden Aussteller nicht nur unhöflich, sondern auch unfair. Immerhin finanzieren die Standbucher den kostspieligen Rahmen dieser Veranstaltung. Im Interesse der legalen Anbieter werden wir natürlich ein für alle Mal den Riegel vor solche Auswüchse schieben müssen. Bis zur nächsten eroFame haben wir sicher die Formel gegen diese unschönen Gepflogenheiten gefunden. Firmen, die ihre Waren unberechtigt auf der eroFame anbieten, erhalten Hausverbot, das steht in unserer Hausordnung und musste leider des öfteren auch dieses Jahr wieder ausgesprochen werden.

Welche Schlüsse zieht die erofame Messeorganisation aus den gewonnenen Erkenntnissen für die nächsten Jahre und darüber hinaus?
…dass Veranstalter und Beirat grundsätzlich auf die Belange der Aussteller und Fachbesucher achten sollten und mit einbeziehen müssen. Wie erwähnt, werden wir das eroFame-Gremium dahingehend erweitern – ich persönlich bin überzeugt, dass das nur zum Vorteil für alle Beteiligten sein kann.
Eine neue Erkenntnis möchten wir für die nächsten Jahre in jedem Fall umsetzen: So ist die eroFame auf der einen Seite eine sachliche und äußerst geordnete Veranstaltung, ganz im Interesse und Sinne professioneller Kaufleute. Aber wir alle, die sich in diesem Pool tummeln, sind auch Menschen, die Spaß, Unterhaltung und Frohsinn ausleben möchten – alles zu seiner Zeit. Hierfür treffen wir uns immer zum berühmt gewordenen eroFame-Oktoberfest – vielleicht reicht das allein nicht mehr aus, um den sicher vorhandenen Glamour unserer Branche abzufeiern. Lassen Sie sich überraschen, nächstes Jahr will die eroFame hierbei noch einen, zwei oder drei drauflegen …

Matthias Poehl

Veröffentlicht von Matthias Poehl