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Muss der Erotikmarkt gezähmt werden?

Traditionelle Lieferketten zerbrechen, Onlineshops bieten Produkte nur knapp über dem Einstandspreis an und die Zahl der Produkte wächst ins Unendliche. Kein Wunder, dass der Erotikmarkt heute so manchem vorkommt, wie der Wilde Westen, wo derjenige der schneller schießt am Ende gewinnt und der Sheriff weit weg ist. Doch wie sollte auf diese Situation reagiert werden und welche Konsequenzen ergeben sich daraus für Hersteller, Lieferanten und Händler? Und vor allem: wer könnte die Kavallerie spielen und die Ordnung wieder herstellen?

matze_pc_webMatthias Poehl

Es ist mehr als verständlich, dass jeder Händler für seine Produkte einen möglichst hohen Preis erzielen möchte. Genauso verständlich ist es, dass der Kunde möglichst wenig Geld ausgeben will. Man trifft sich zumeist irgendwo in der Mitte und wenn nicht, dann muss sich der Konsument anderswo nach einem vergleichbaren Produkt oder einem anderen Verkäufer umsehen. Das nennt man Marktwirtschaft.

Ohne jetzt von unsichtbaren Händen, die alles zum Besten regeln und ähnlichem Geschwafel anfangen zu wollen, ist es letztendlich doch so, dass auf dem Markt unterschiedliche Bedürfnisse auf unterschiedliche Angebote treffen. Dabei mögen nicht alle Bedürfnisse befriedigt werden und nicht jedes Angebot findet einen Abnehmer, aber es hat sich noch immer als die bessere Alternative zu festgesetzten Preisen, geregelten Bedingungen und gesteuerten Angeboten erwiesen. Denn wer jetzt gerne den Herstellern einen größeren Einfluss auf die Preisgestaltung des Einzelhandels einräumen würde, kann auch nicht garantieren, wie diese ihre Macht morgen anwenden werden. Gleiches gilt bei Vertriebswegen: wer möchte sich schon gerne einem Zulieferer auf Gedeih und Verderb ausliefern?

Natürlich gibt es auch gute Gründe für Hersteller – besonders im hochpreisigen Bereich – mit Argusaugen auf den Preis ihrer Artikel zu achten und jeglichem Preisdumping sofort einen Riegel vorzuschieben. Aber dies durchzusetzen ist kein leichtes Unterfangen und benötigt entsprechenden Aufwand, der sich dann auch im Preis widerspiegelt. Ein für die meisten Erotikprodukte kaum durchführbares Unterfangen.

Hinzu kommt, dass derjenige, der besser wirtschaftet, am Ende auch die Früchte seines Könnens ernten soll. Denn hat sich ein Konsument für ein Produkt entschieden ist der Preis zwar einer der wichtigsten Faktoren bei der Kaufentscheidung, aber bei weitem nicht der einzige. Verkaufsumfeld, Beratung, Service nach dem Kauf, Informationen rund um das Produkt etc. fließen auch mit ein. Selten sind Unternehmen, die sich alleine über den Preis definieren und alle anderen Aspekte vernachlässigen, eine lange Lebensdauer beschieden.

Wo der eine den zu zähmenden Wilden Westen sieht, erkennt der andere Möglichkeiten. Der Markt ist in beständigem Wandel und im besten Fall treffen immer mehr Produkte auf immer mehr Konsumenten. Ungleichgewichte hierbei durch stärkere Regulierung – wie auch immer diese aussieht und von wem sie durchgesetzt wird – beseitigen zu wollen, ist langfristig kontraproduktiv und zumeist auch gar nicht vonnöten.




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